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Der Verlag und seine Ziele

Neu:

Der Verlag Ch. Möllmann
(ein Text von 1999/2000)

Der Verlag Ch. Möllmann existiert seit 6 Jahren und ist seit 1998 in Schloß Hamborn ansässig. In diesen sechs Jahren sind 67 Buchtitel erschienen, viele auch in mehreren Auflagen, etliche Notenwerke und auch eine CD. Wie kommt man eigentlich in der heutigen Zeit dazu, einen Verlag zu gründen? Werden Bücher im Zeitalter der neuen Medien überhaupt noch gelesen? Kann man davon überhaupt leben? Solche Fragen gibt es auch für mich immer wieder zu beantworten.

Ich selbst bin vor 37 Jahren in Schloß Hamborn zur Welt gekommen. Nach der Schule - und dem anschließenden Zivildienst - habe ich in Paderborn studiert, Philosophie, Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Anglistik und auch Medienwissenschaft. Zudem war ich engagiert in der Studentenschaft und habe viel bei Zeitschriften geschrieben und gearbeitet. Damals war es durchaus noch üblich, eine Zeitschrift mit einer Schreibmaschine und viel, viel Layoutkleber anzufertigen. Die Computertechnologie war zwar schon da, begann aber gerade erst ihren Einzug in die tägliche Arbeit. Später habe ich dann auch mit dem Computer Zeitschriften gemacht und mußte feststellen, daß die Arbeit sehr erleichtert werden kann. Geld zum Studieren habe ich in einer Druckerei verdient und hatte sowohl von der inhaltlichen Arbeit des Publizierens als auch von der technischen Seite her viel gelernt, als ich das erste Manuskript in die Hände bekam und mit diesem Manuskript den Verlag startete.

Bücher machen im Zeitalter der Computertechnologie - wie geht das?

Es ist durch die Technik heute praktisch kein Problem mehr, Bücher auch in kleinen Auflagen herzustellen. Vieles lasse ich digital fertigen, daß heißt, die schwarze Farbe kommt auf das Papier ohne den Umweg über einen Film und eine Druckplatte. Von Anfang an war das eine Möglichkeit für mich, die Auflagenhöhe in einer überschaubaren Größe halten zu können. Der Vorteil von kleinen Auflagen liegt zum einen in der geringeren Lagerkapazität, zum anderen aber auch in der geringeren Kapitalbindung. Insgesamt werden Buchauflagen in kleinen Stückzahlen durch die fortschreitende Technik billiger. Der Stückpreis bleibt erschwinglich.

Große Verlage haben heute Probleme mit dem Verkaufen von hohen Auflagen. Klar, es gibt immer wieder die echten Bestseller, aber konkrete Zahlen rückt kaum ein Verlag heraus. Und das nicht ohne Grund. Denn die verkauften Auflagen werden immer niedriger. Immer mehr Bücher werden über kurz oder lang verramscht - oder nach erfolgter Abschreibung schlicht und einfach eingestampft. Die Menge der gedruckten Titel nimmt dagegen von Jahr zu Jahr noch zu. Woran liegt das? Sicherlich auch daran, daß sich viele Menschen nicht mehr vorschreiben lassen, was sie zu lesen haben oder was “gut” ist. Schließlich gibt es nicht nur eine, oder zwölf, nein, es gibt so viele Meinungen wie es Menschen gibt. Und dieses spiegelt sich in den Büchern wieder. Für mich ist die sogenannte “Titelflut”, die von vielen beklagt wird, ein Ausdruck von Kreativität und auch Produktivität des menschlichen Geistes. Natürlich auch mit allen Irrungen, die das so mit sich bringt. Aber absolut undenkbar, daß hier eine Zeit wiederkehrt, wo es nur wenige Bücher, wo es nur ein Buch - die Bibel - zu lesen gab.  Wenn aber hier eine so gewaltige Steigerung da ist, dann muß auch von Verlagsseite darauf reagiert werden. Die Technik ist vorhanden, auch für kleine Auflagen noch zu erschwinglichen Preisen ansprechende Bücher zu machen. Und das mache ich also.

Wenn ein Autor “sein” Buch geschrieben hat, wie geht es dann weiter? Ich bekomme die Texte in unterschiedlichster Form. Zum Teil auch noch handgeschrieben. Oder mit der Schreibmaschine. Immer mehr allerdings als Anlage an eine e-Mail. Habe ich den Text, muß er erst noch in den Computer hinein und dann gesetzt werden, d. h. auf das Format gebracht werden, das das fertige Buch haben soll. Die Gestaltung des Buchinhaltes mit Bildern, der Umschlag, das alles passiert an meinem Schreibtisch. Manche Arbeiten gebe ich auch weiter, Gestaltungsaufträge, Abtipp-Arbeiten, digitale Aufbereitungen. Ist alles fertig, habe ich auf meinem Computer alle Daten, die für das Buch notwendig sind. Die werden auf eine CD gebrannt und kommen in die Druckereien. Druckereien? Ja, es sind meist mehrere. Denn ein farbiger Umschlag wird anders produziert als ein digitaler Buchinhalt. Das machen dann auch unterschiedliche Druckereien. Die Endfertigung der Bücher passiert in einer Buchbinderei. So gilt es dann bis zu drei Firmen terminlich unter einen Hut zu bringen. In bestimmten Zeiten - zur Buchmesse, vor Weihnachten - gar nicht so einfach. Angeliefert werden die fertigen Bücher dann nach Schloß Hamborn. Und dann müssen sie natürlich noch in den Handel. Also muß ein Lieferverzeichnis gedruckt werden, muß Werbung geschaltet werden, Briefe werden verschickt und nicht zuletzt werden auch die Bücherbestellungen abgefertigt. Das sind an manchen Tagen mehrere Stunden mit Rechnungen schreiben, Bücher verpacken, Pakete fertigmachen.

Ist es etwas besonderes, wenn man ein “anthroposophischer” Verlag ist?

Ja, das kann man schon sagen. Aber nicht die Herstellung von Büchern unterscheidet mich von anderen Verlegern, sondern die Art und Weise, wie ich mit meinen Mitarbeitern - und das sind ja Autoren, Komponisten und Künstler - zusammenwirke. Denn man kann als “Unternehmer” ja auch etwas anderes in den Mittelpunkt des Interesses stellen als die ökonomischen Werte. Wenn man das tut dann ergeben sich auch ganz andere Verbindlichkeiten. Es ist für mich sehr schön zu erleben, wie meine Arbeit nicht nur Waren erzeugt, sondern soziale Prozesse auslösen kann oder gar kulturelle Faktoren schafft. Wenn mir gelingt, hier die Kreativität der Menschen zu fördern, wie unwichtig werden dann Verkaufszahlen! Und wenn die Verkaufszahlen dann noch stimmen, um so besser.

Wer mit Menschen zu tun hat und vor allem mit deren geistigen Errungenschaften - seien es nun Gedichte oder Sachbücher, in manchen Fällen sind es Essenzen eines erfüllten Lebens - der lebt und arbeitet mitten im geistigen Leben. An meinen eigenen Fähigkeiten liegt es nun, ob dieses Stehen im geistig-kulturellen Leben auch einen entsprechenden Niederschlag erfährt im Wirtschaftsleben, so daß meine Existenz gesichert ist. Bisher gelingt mir das ganz gut.

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