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Burschenschaft

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Die historische Jungfräulichkeit der Burschenschaft

Seit einiger Zeit sieht man auch in Paderborn wieder die Rotkäppchen und Jägerhüte der Korporationen, Burschen- und Landsmannschaften. In einer Zeit, da diese Verbindungen immer mehr Zulauf haben, ist es notwendig, sie als das darzustellen, wie sie sind, nämlich reaktionär, antidemokratisch, rassistisch, und teilweise faschistoid. Hinter den elitären Clubs, die sich immer besser dünken als die breite Masse, stecken machtgeile, chauvinistische und diskriminierende Saufkumpaneien.
Burschenschaften und Verbindungen existieren seit dem späten 17. Jahrhundert. Aus den damaligen, dem Landesherrn treu ergebenen Landsmannschaften, entwickelten sich die studentischen Corps, die seit jeher reaktionär sind und ursprünglich nur dem Adel offenstanden (einmal im Jahr wurde ein Alibi-Bürgerlicher aufgenommen, der sogenannte Vorzeigemeier). Zu ihren ersten grossen Taten gehörten Bücherverbrennungen (bereits 1817 auf Anregung von Turnvater Jahn beim Burschentreffen auf der Wartburg). Die hehren Ziele von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit schrieben sich die Bürschlein zwar auf die Fahnen, meinten aber damit eher Autorität, Hierarchie und Gehorsam. Viele Burschenschaften hatten schon weit vor Hitler einen Arierparagraphen, wonach nur Deutschstämmige in ihren Reihen aufgenommen werden konnten. Seit 1920 bekannten sich die "Deutschen Burschenschaften", der faschistische Dachverband, offiziell zum Antisemitismus. Im ersten Weltkrieg zeichneten sie sich durch wahre Kriegsbesessenheit aus, nahmen bereits 1930 an Sonnenwendfeiern der NSDAP teil und begrüssten alle die Machtergreifung Hitlers. 1933 bei der "Aktionswoche wider den undeutschen Geist" standen sie in vorderster Front. Bücherverbrennungen kannten sie ja auch schon, die machten ihnen Spass!
Auch wenn immer wieder von den Burschenschaften behauptet wird, dass sie im 3. Reich verboten waren: sie lösten lediglich ihre Aktivas auf, um als Kameradschaften im "Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund" weiter tätig zu sein. Ein Verbot gab es trotz aller Beteuerungen nicht, alle anderen Behauptungen sind gelogen!
Wahr ist, dass die Alliierten 1945 die Burschenschaften verboten - wegen ihrer Rolle im Faschismus natürlich (An der FU Berlin durften sich Burschenschafter bis 1958 noch nicht einmal immatrikulieren). Aber schon bald wurde es in das Ermessen eines jeden Rektors gestellt, ob Korporierte in Farben an der Uni zugelassen oder verboten werden.
Auch die Burschen in Paderborn leugnen trotz eindringlichen Nachfragens die Mittäterschaft ihrer Verbindung im 3. Reich. Sie berufen sich auf das Verbot, das sie selbst erfunden haben. Ein solcher Umgang mit der Geschichte ist fatal.
Burschen stehen in der Tradition von Geselligkeitsformen, die zu Rüpel- und Saufexzessen degeneriert sind. Nachbarn von Burschenschaftshäusern in Paderborn klagen häufig über die fortgesetzte Ruhestörung bis tief in die Nacht. Aus mehrtägigen Sauforgien ertönt häufig das lautstark gegrölte Deutschlandlied. Auf dem Semesterplan stehen neben dem "wissenschaftlichen" Teil, d.h. Vorträge von Alten Herren, fast ausschliesslich Alkoholgelage.
Das Verbindungsleben strotzt vor Reglementierungen. Eine starke Hierarchie mit vielen Pflichten und Unterwürfigkeiten innerhalb der Gemeinschaft erinnern nicht nur an militärische Organisationen (zumal bei den Uniformen, die auch Waffen beinhalten), sondern auch an Diktaturen.
Ähnlich wie die faschistische FAP benutzen Paderborner Burschen für ihre hochprozentigen "Festlichkeiten" die Räume, in denen sich schon Waffen-SS und Gestapo abschossen. Tradition verpflichtet. "Geändert haben sich jedoch nicht die Werte, die eine Verbindung verkörpert und für die sie einsteht" (Aus der Propagandabroschüre einer Paderborner Verbindung).

Literatur:
- diverse Lexika und Geschichtsbücher
- Neue Burschenschafter-Herrlichkeit? Reader des AStA Marburg, 2. Auflage 1988

Artikel aus dem AStA-Info, Paderborner Studentenzeitung Nr. 1, 1988
 

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