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Musik und Elektronik

Neu:

Sprachgestalter, Eurythmisten und Musiker stehen ständig vor der Aufgabe, mit den lebendigen Bildekräften zu arbeiten, die in Sprache und Musik enthalten sind. Diese Aufgabe hat heute eine zentrale Bedeutung, weil Wort und Klang durch die elektronischen Medien vom Menschen zunehmend abgelöst, automatisiert und industrialisiert werden. Wenn man sich dieser Herausforderung stellt, dann entstehen grundlegende Fragen zum Wesen von Sprachlaut und Ton, die das Selbstverständnis des anthroposophischen Künstlers direkt betreffen. Zum Beispiel: Wie verhält sich das Wort des Sprachgestalters zu dem der computergestützen Sprachmaschinen, die Geschriebenes automatisch in Worte umsetzen? Warum sollte man einen solchen Sprachgenerator nicht zu einem eurythmisierten Gedicht sprechen lassen, wo man ihn doch so programmieren könnte, dass er auch genau das tut, was der Eurythmist möchte? Warum nicht mit CD Toneurythmie üben, wenn gute Musiker teuer und selten sind und die zermürbende Terminsuche überflüssig wird?
Die Auseinandersetzung mit den elektronischen Audio-Medien wird für uns unumgäng-lich, zumal es schon genug andere sogenannte Künstler gibt, die dies tun. So zum Beispiel arbeitet der australische „Body-Art“-Künstler“ Stelarc daran, ähnlich wie bei den Froschschenkeln des Galvani, die sich bei elektrischen Impulsen bewegten, den menschlichen Körper direkt an das Internet anzuschliessen, mit dem Ergebnis, dass der jeweilige Datenfluss unwillkürliche Körperbewegungen des Künstlers“ auslösen (www.stelarc.va.com.au/parasite/ index.htm). Die fremdgesteuerte menschliche Bewegung wird da zum Abbild einer technischen Gegenwelt.
Solchen seit einigen Jahren unter „Künstlern“, Science-Fiction-Autoren und Wissenschaftlern sehr starken Tendenzen, Sprache, Musik und Körperbewegung mit Hilfe der elektronischen Medien zu entmenschlichen, kann man am besten begegnen, wenn man die Funktion sowie die psychische und soziale Macht dieser Medien wenigstens ansatzweise durchschaut. Und hier leistet das vorliegende Buch von Franz Halberschmidt einen wertvollen Beitrag.
Der Autor, Musikwissenschaftler und Germanist, hat sich in seiner 30-jährigen Tätigket als Musiklehrer an der Rudolf Steiner-Schule Berlin immer wieder mit der Rock- und Technomusik, den auditiven Medien und der elektronischen Musik beschäftigt und hierüber Vorträge und Seminare gehalten. Er versteht es, von den verschiedensten Gesichtspunkten aus zu beleuchten, dass heute nicht nur eine Dauerberieselung durch Lautsprechermusik in Wohnungen, Kaufhäusern, Restaurants, Hotels, Wartehallen, Arbeitsplätzen usw. stattfindet, sondern dass in Discos und Love-Parades die Musik dazu benutzt wird, die Menschen in eine ekstatische Herabdämpfung des Ich-Bewusstseins zu versetzen. Aus der anthroposophischen Menschenkunde zeigt er auf, wie damit die Wesensglieder in einen Zustand versetzt werden, durch den Kräfte in den Menschen eingreifen können, die in Elektrizität und Magnetismus wirken und dann in das soziale Leben zersetzend einwirken. Diese Einflussnahme der unternatürlichen Wesen wird durch die elektronischen Geräte noch gefördert. Denn wie Franz Halberschmidt mit verständlichem, aber fundiertem technischen Verständnis darlegt, wird das eigentlich übersinnliche Wesen des Tones allein schon durch die Art und Weise, wie Mikrophon, Verstärker, Lautsprecher, Digitaliserung usw. funktionieren, in die Welt der Unternatur herabgedrängt. Anschaulich beschreibt der Autor die Auswirkungen auf die Wesensglieder und das Kulturleben, wobei er die elektronischen Audio-Medien aber nie in sektiererhafter Weise verteufelt, sondern ihnen ihren berechtigen Platz zuweist. Und hieraus gewinnt er neue Aspekte für den wahren Wert einer Musik, die ohne elektronische Kräfte erzeugt wird. Dies sind Aspekte, die die Arbeit von Musikern, Sprachgestaltern und Eurythmisten in einer Kultur, in der die elektronischen Audio-Medien das ganze Leben durchdringen, bereichern können. Daher kann die Studie von Franz Halberschmidt als Orientierung sehr empfohlen werden.

Klaus Höller, Heileurythmist

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