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Opernmärchen

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Opernmärchen

Im Christoph Möllmann-Verlag ist ein wunderbares, bedeutsames, ungewöhnliches Buch erschienen.
Es kann selbst Menschen der Oper näherbringen, die vielleicht vorher nicht so sehr von ihr begeistert waren. Es heißt “Opernmärchen" und umfasst 33 Märchen oder Erzählungen der wichtigsten und am meisten gespielten Opern, die ja oft selbst aus Märchen oder Erzählungen hervorgingen. Die deutsche Übersetzung dieses von einem ungarischen Autor ursprünglich nur für seine Kinder geschriebenen und in Ungarn bereits in mehrfacher Auflage erschienenen Buches stammt in meisterhafter Weise von Andreas Neutsch, der seinem Beruf als Ungarischübersetzer hiermit alle Ehre macht. Bei einem Opernbesuch in Budapest entdeckte er das Buch und war so davon beeindruckt, dass er sich sogleich an die mühevolle und schöne Übersetzungsarbeit machte. Dieses auch in mehrfacher Überarbeitung. Hinzugekommen sind 33 Opernillustrationen der Paderborner Künstlerin
Angelika Gausmann — in Kohle und Graphit— die jeweils charakteristische Gestalten oder Situationen der Opern ebenfalls. meisterhaft und individuell — mit einem Hauch von Humor — festhalten und so dem Leser auch optisch eine gute Orientierung geben. Diese künstlerische Arbeit der Kunstsoziologin beeindruckt sehr.
Die Opernmärchen sind hauptsächlich, aber durchaus nicht nur, für Jugendliche gedacht. Auch der Erwachsene ist fasziniert von den packenden, dramatischen Dialogen, um die immer wieder genau charakterisierende Situationsbeschreibungen geflochten sind. Ob es sich um “Die Zauberflöte” oder “Boris Godunow” handelt, den “Ring des Nibelungen” oder “La Bohème”, der Leser wird in die übersichtliche und doch hochgesteigerte dramatische Handlung einbezogen und lernt, wie es auch im ansprechenden Vorwort von
István Tótfalusi dargestellt wird, durch das Zusammenspiel und Gegeneinanderspiel der Figuren nicht nur die bekanntesten Opern gut kennen, sondern auch sich selbst, denn er identifiziert sich ja mit dem Gelesenen zumindest während des Lesens — und beides hilft ihm, später doch entscheidend die Aufnahme und Auseinandersetzung mit der jeweiligen Oper im Theater zu vollbringen. All dieses können einfache Opernführer und Programmhefte als Vorbereitung — wegen ihrer zu starken Konzentriertheit — nicht leisten.
Am Ende des Opernmärchenbuches findet der interessierte Leser zusätzlich wichtige Informationen zum Leben und weiteren musikalischen Schaffen der Opernkomponisten. Ich muss sagen, dass ich nach der Lektüre dieses Buches Lust habe, alle 33 Opern zu besuchen — was mir vorher nicht in den Sinn gekommen wäre.

Sigrid Nordmar-Bellebaum

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